RVK-Frühlingstagung 2021 als Webinar-Reihe

RVK-Frühlingstagung 2021 als Webinar-Reihe

Ein Anlass – drei Blickwinkel

Der RVK durfte dieses Jahr die 13. Frühlingstagung durchführen – infolge der COVID-19-Pandemie als Webinar-Reihe. Zum ersten Mal in der Geschichte des beliebten Formats trafen sich über 60 Teilnehmende vor dem Bildschirm. Eine Teilnehmerin, unser Projektleiter sowie ein Referent erzählen von ihren Eindrücken, von den Vor- und Nachteilen der virtuellen Tagung, und ob sich ihre Kleidung für das Webinar im Vergleich zur Tagung vor Ort unterschieden hätte.

DIE TEILNEHMERIN

Sandra Scherrer ist Teamleiterin Leistungen beim Unternehmen Gemeinsame Einrichtung KVG. Vor drei Jahren stand sie als Co-Referentin vor den Teilnehmenden der RVK-Frühlingstagung, dieses Jahr sitzt sie auf der anderen Seite. Zwar nicht in Persona, aber wie alle anderen vor ihrem Laptop.


Seit 2013 arbeitet Sandra Scherrer bei der Gemeinsamen Einrichtung KVG. Als Teamleiterin fördert sie die Entwicklung ihrer 15 Mitarbeitenden massgeblich mit. Sie koordiniert komplexe Aufgaben mit verschiedenen Schnittstellen und bewegt sich in einem internationalen Umfeld. Der Job bereitet Scherrer grosse Freude. Die gelernte Drogistin weist mehrere Jahre Erfahrung im Gesundheitswesen auf, verfügt über einen Abschluss als eidg. FA Sozialversicherungsfachfrau sowie einem CAS in Betriebswirtschaft. In ihrer Freizeit schwingt sie gerne das Tanzbein und ist zwischendurch einem kitschigen Film nicht abgeneigt.

Bereits letztes Jahr hat sich Scherrer für die RVK-Frühlingstagung angemeldet, die aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht stattfinden konnte. Umso glücklicher ist sie, dass es dieses Jahr geklappt hat, wenn auch in einer anderen Form, nämlich online als Webinar. «Ich empfinde die RVK-Frühlingstagung als gutes Format, um den Horizont zu erweitern, persönliche Facherfahrungen zu sammeln und nebenbei das berufliche Netzwerk auszubauen», so die 40-Jährige.

 


Nervosität legte sich schnell
Scherrer: «Anfangs war ich freudig aufgeregt und neugierig darauf, wie die Tagung virtuell durchgeführt wird.» Der herzliche Einstieg durch Philipp Dünki und seine hilfreichen Instruktionen zu Beginn nahmen ihr die anfängliche Nervosität schnell. «Ich war positiv überrascht, wie gut die RVK-Frühlingstagung auch als Webinar funktioniert. Das Tagungsprogramm war abwechslungsreich aufgebaut, die Referate praxisnah und aktuell. Die Referenten liessen spontane Diskussionen zu und plauderten aus dem Nähkästchen, was den einen oder anderen zum Schmunzeln brachte», ergänzt sie.

Die Gruppenarbeiten waren gut organisiert. In den sogenannten Breakout-Räumen konnten sich die Teilnehmenden in der zugeteilten Gruppe virtuell austauschen. «Anfänglich war die Gruppe etwas verhalten, doch nach einer Weile kam ein reger Austausch zustande. Das Kennenlernen und der Austausch haben in diesen Breakout-Räumen gut funktioniert», berichtet Scherrer weiter. Sie hat die regelmässigen Pausen geschätzt, um wieder Energie zu tanken, und so mit der Konzentration dabei bleiben zu können. Das Bildungsteam des RVK hat den Teilnehmenden im Vorfeld ein Pausen-Paket zur Stärkung zugeschickt – über diese schöne Überraschung hat sie sich sehr gefreut.

 


Die kurzen Pausen zu Hause genossen
Natürlich hat ein Webinar auch Vorteile: Da die Anreise wegfällt, ist Scherrer stressfrei in den Tag gestartet. Sie war froh, dass sie keine Maske tragen musste und die Mimik ihres Gegenübers dadurch besser wahrnehmen konnte. Auch die Kleiderwahl hat sich verändert. Business Casual blieb nur zu einer Hälfte, unten waren doch eine Jogginghose und Hausschuhe bequemer. «Ich habe die kurzen Pausen zu Hause genossen, da ich eher eine ruhige Person bin und mich so einfach ausklinken konnte», sagt Scherrer. Und fügt gleich hinzu: «Der Austausch am Mittagstisch, beim Apéro und Dinner haben mir aber schon gefehlt. Dieser kann trotz der gelungenen und gut organisierten Frühlingstagung nicht ersetzt werden.»

DER REFERENT

Der Jurist André Henri Kuhn hat letzten Frühling aufgrund der COVID-19-Pandemie sein erstes Webinar gegeben. Wie so viele andere wurde er damals in das kalte Wasser geworfen. In der Zwischenzeit konnte er reichlich Erfahrung sammeln und sieht auch Vorteile im Dozieren vor dem Bildschirm.


André Henri Kuhn arbeitet seit zwei Jahren als Juristischer Mitarbeiter bei der DIE ADVOKATUR SURY AG in Luzern. Er ist für den Bereich Datenschutzrecht, Recht in Informatik und weitere Rechtsgebiete zuständig. Zusätzlich doziert Kuhn an verschiedenen Hochschulen. Nebenbei engagiert er sich für Jugendliche mit Migrationshintergrund und erleichtert ihnen den Einstieg in das Berufsleben, in dem er im Schulfach «Wirtschaft und Gesellschaft» Nachhilfe gibt.

Für den Workshop versuchte er das Thema Datenschutz sowie die Interessen des stark reglementierten Gesundheitswesens zu verbinden. Kuhn erläutert: «Mitarbeitende von Krankenkassen aber auch von anderen Unternehmen müssen im Arbeitsalltag viele Entscheidungen treffen. Besonders im heutigen digitalen Zeitalter und in Zeiten von Homeoffice gibt es einige Aspekte zu beachten. Der Datenschutz wird sich bis in das Jahr 2022 verändern und die Gesetze werden über alle Branchen hinweg verstärkt. Dabei steht das Gesundheitswesen besonders im Fokus, weil es mit besonders schützenswerten Personendaten umgeht.»

 


Der Austausch ist online besonders wichtig
«Bei einem Webinar ist es wichtig, alle Teilnehmende auf den gleichen Wissensstand zu bringen, weshalb ich immer wieder kurze Theorieblöcke einbaute», berichtet der Referent. Die Vernetzung unter den Teilnehmenden wurde mit sogenannten Breakout-Räumen hergestellt. Dabei haben wir die Gruppen bewusst gemischt zusammengestellt, so dass sie sich aus den verschiedensten Unternehmen fachlich austauschen konnten. Alle Teilnehmenden haben an den Gruppenarbeiten sehr aktiv mitgemacht, das Klima war locker und angenehm.

«Alle 50 Minuten haben wir eine kurze Pause eingelegt, da man vor dem Bildschirm viel schneller ermüdet als in einem Präsenzkurs», erklärt Kuhn. «Ich habe die Teilnehmenden auch ermutigt, sich in den Pausen eine Erfrischung zu holen, sich die Beine zu vertreten und die Augen in die Ferne schweifen zu lassen», fügt er hinzu.

 


Mehr Teilnehmende für nur einen Workshop
Ein grosser Pluspunkt ist für ihn der Anfahrtsweg, der bei einem Webinar wegfällt. Dadurch haben sich dieses Jahr auch Teilnehmende angemeldet, die sich lediglich für einen der sieben Workshops interessierten. Als Nachteil sieht Kuhn den fehlenden Austausch und dass er die Teilnehmenden nicht so stark in den Workshop involvieren kann, wie er gerne würde.

Und die Kleiderwahl? Juristen werden bekanntlich mit dunkler, langweiliger Kleidung in Verbindung gebracht. Im IT-Recht geht man schliesslich auch mit der Zeit und kleidet sich vor allem Business Casual. Trotz Homeoffice hat sich Kuhn bewusst für ein Hemd und Bürokleidung entschieden – aus Respekt vor seiner Rolle als Dozent.

DER ORGANISATOR

Philipp Dünki, Produktverantwortlicher Bildung & Events, arbeitet seit 2013 beim RVK. Die Organisation der RVK-Frühlingstagung gehört seit mehreren Jahren in seinen Aufgabenbereich und wird nie langweilig.


Die RVK-Frühlingstagung hat zum ersten Mal online stattgefunden. Philipp Dünki berichtet erfreut: «Die RVK-Frühlingstagung war ein grosser Erfolg, weil es uns gelungen ist, ein Onlineangebot mit über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Beine zu stellen. Zum Schluss hatte ich auch das Gefühl, dass bei mir und jenen Teilnehmenden, welche mehrere Webinare besucht haben, ein richtig schönes Zusammengehörigkeitsgefühl aufkam – das fand ich besonders toll.»

Nebst kleineren Tonproblemen hat technisch alles einwandfrei geklappt. Auch bei einem Webinar gibt es Verhaltensregeln: Dünki hat die Teilnehmenden nach der Begrüssung instruiert und ihnen die Rahmenbedingungen erklärt, wie zum Beispiel wann Ton erwünscht ist, und wann nicht. Die Rahmenbedingungen wurden von allen Teilnehmenden akzeptiert und bestens umgesetzt. «Ich möchte mich bei den Teilnehmenden für ihre Pünktlichkeit bedanken. Nach jeder Pause waren alle immer pünktlich zurück vor ihrem Bildschirm», ergänzt er.

 


Unterschiede Webinar vs. Präsenz
Vor allem das ganze Drumherum wie das Networking, die ungezwungene Atmosphäre und persönliche Gespräche fehlen natürlich. Und genau das macht eine Tagung aus. «Daher ist es uns ein grosses Anliegen, Tagungen künftig wieder vor Ort durchzuführen. Bei Fachkursen, wo der Fokus auf der Wissensvermittlung und Anwendungsbeispielen liegt, können wir auch in Zukunft Webinare anbieten – denn Webinare bieten auch ganz klar Vorteile», fügt Dünki hinzu.

Die Organisation der Webinare hat sich natürlich klar von der Organisation vergangener Jahre unterschieden: Es gab zwar weniger mit Hotel und Restaurant zu koordinieren, dafür war der Aufwand bei der Einarbeitung in die Themen und den Workshops grösser. «Die meisten Referenten hatten noch nie online ein Referat gehalten und waren froh um meine Unterstützung. Ich war bei allen Workshops mit dabei. Ich habe technische Aufgaben wie Instruktionen, Fehlerbehebungen sowie Umfragen übernommen und war bei den Interaktionen mit den Teilnehmenden und den Referenten stark involviert», erklärt Dünki.

 


Bei einem Webinar ist die Interaktion der Teilnehmenden schwieriger als bei einem Präsenzunterricht. Unser Ziel war, alle Teilnehmenden regelmässig miteinzubeziehen. Dazu nutzten wir Breakout-Sessions für die Fallbesprechung, virtuelle Flipcharts und Live-Umfragen, bei denen die Teilnehmenden die Ergebnisse direkt auf ihrem Bildschirm sahen. Gerne bauen wir für ein nächstes Mal noch mehr Interaktionsmöglichkeiten ein, um den Unterricht noch aktiver und abwechslungsreicher zu gestalten. Und wer weiss, vielleicht gibt es bis dann auch eine neue Networking-Methode, um sich trotz der räumlichen Distanz doch noch näher kommen zu können. «Ich jedenfalls freue mich im nächsten Jahr umso mehr auf den persönlichen Austausch.», schliesst Dünki ab.

Übrigens: Um sich vom Alltag abzugrenzen und sich auf die RVK-Frühlingstagung einzustimmen, war es Dünki ein Anliegen, mit Hemd und Veston aufzutreten. Unten blieb er mit einer Jeans und Sneakers aber doch ganz sportlich.