13-mal in Folge: Krankenkasse mit den tiefsten Verwaltungskosten
Zum 13. Mal in Folge wurde die Krankenkasse Luzerner Hinterland (KKLH) als Krankenkasse mit den tiefsten Verwaltungskosten der Schweiz ausgezeichnet. Was steckt hinter dieser beeindruckenden Konstanz? Im Gespräch erklärt André Müller, wie die KKLH mit flachen Hierarchien, schlanken Prozessen und einem klaren Fokus aufs Wesentliche Jahr für Jahr so effizient arbeitet – und warum tiefe Verwaltungskosten vor allem eines bedeuten: verantwortungsvollen Umgang mit den Prämiengeldern der Versicherten.
Zum 13. Mal in Folge wurde die Krankenkasse Luzerner Hinterland als Krankenkasse mit den tiefsten Verwaltungskosten ausgezeichnet. Was bedeutet diese erneute Auszeichnung für Sie persönlich und für das gesamte Team?
Wir sind stolz auf diese Auszeichnung und freuen uns, dass wir über Jahre hinweg konstant tiefe Verwaltungskosten ausweisen können.
Für mich persönlich bedeutet es, die erfolgreiche Geschichte der KKLH weiterzuführen.
Was ist das Geheimnis hinter dieser beeindruckenden Konstanz? Welche konkreten Strategien und Massnahmen ermöglichen es Ihnen, Jahr für Jahr so effizient zu arbeiten?
Diese Frage wird uns oft gestellt. Wir versuchen, unsere Abläufe einfach zu halten – eine flache Hierarchie hilft dabei enorm. Zudem passen wir unsere Arbeitsabläufe auf der Grundlage von Inputs unserer Mitarbeitenden stetig an, mit dem klaren Ziel, Doppelspurigkeiten zu vermeiden.
Was soll man sich als Laie unter tiefen Verwaltungskosten vorstellen? Können Sie an einem konkreten Beispiel zeigen, was das für Ihre Versicherten bedeutet – etwa beim Prämiensatz oder bei den Leistungen?
Wir gehören in unserem Kerngebiet – dem Kanton Luzern, vor allem in den ländlichen Gebieten – seit Jahren zu den Krankenkassen mit tiefen Prämien. Die tieferen Verwaltungskosten leisten einen kleinen Beitrag, wobei sie die Prämienhöhe insgesamt nur begrenzt beeinflussen. Bei den Leistungen sind wir, wie alle anderen Kassen auch, an das Gesetz und dessen Verordnungen gebunden. Wir gestalten unsere Abläufe effizient und hinterfragen die Prozessabläufe regelmässig. Tiefe Verwaltungskosten bedeuten für uns aber vor allem, dass wir verantwortungsvoll mit den Prämiengeldern umgehen – das schulden wir unseren Versicherten.
Effizienz und niedrige Kosten könnten mit Verzicht auf Innovation verwechselt werden. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen kosteneffizienter Verwaltung und zeitgemässen digitalen Services?
Bei der Digitalisierung sind wir sicherlich nicht die Vorreiter. Wir versuchen, ausgereifte Innovationen nach einem Kosten-Nutzen-Schema einzuordnen, und haben je nach Ergebnis auch den Mut, mit der Einführung neuer Technologien zuzuwarten, bis sie sich bewährt haben.
Das Gesundheitswesen wird immer komplexer, die regulatorischen Anforderungen steigen. Wie gelingt es Ihnen trotzdem, die Verwaltungskosten so tief zu halten?
Tatsächlich steigen die regulatorischen Anforderungen und die Komplexität im Gesundheitswesen seit Jahren stetig. Dass wir die Verwaltungskosten trotzdem tief halten können, liegt an einer Kombination mehrerer Faktoren: Wir setzen auf eine schlanke Organisation mit flacher Hierarchie und klaren Verantwortlichkeiten. Das verhindert Doppelspurigkeit und beschleunigt Entscheidungsprozesse. Zudem fokussieren wir uns auf das Wesentliche: statt auf grosse Marketingkampagnen oder komplizierte Versicherungsmodelle konsequent auf unser Kerngeschäft.
Was machen Sie anders als andere Krankenkassen?
Wir prüfen nicht primär, was wir anders machen. Vielmehr schauen wir auf uns selbst, halten die Augen offen für mögliche Verbesserungen und setzen diese um, wo es sinnvoll und nötig ist. Dabei bleiben wir unserer Linie treu.
Welche Entwicklungen oder Projekte stehen an, um auch in Zukunft diese Effizienz zu gewährleisten – oder vielleicht sogar noch weiter zu verbessern?
Im Gesundheitswesen stehen mit der Einführung von Tardoc und ambulanten Pauschalen per 1. Januar 2026 grosse Veränderungen an. Ein neuer Tarif bedeutet für uns veränderte Kontrolltätigkeiten. Wir müssen den Tarif kennenlernen, ein Gespür dafür entwickeln, was vertieft geprüft werden muss, und uns damit vertraut machen. Zudem passen wir unsere Rechnungsprüfung an und legen neue Richtlinien fest. Unser Ziel ist es, die bewährte Leistungskontrolle im ähnlichen Rahmen auf die neuen Tarife anzuwenden.
Zur Effizienzsteigerung wollen wir die vorhandenen technischen Möglichkeiten optimal nutzen. Zusätzlich entwickeln wir uns auch im Bereich der Digitalisierung weiter. Hier setzen wir auf unsere Softwarelieferanten und werden in naher Zukunft digitaler unterwegs sein – mit einem Produkt, das sich bereits bei anderen Kassen bewährt hat.
Was würden Sie Unternehmen oder Organisationen raten, die ebenfalls ihre Verwaltungskosten senken möchten?
Ein allgemeingültiges Rezept gibt es wohl nicht. Was bei uns funktioniert:
- Wir setzen auf eine flache Hierarchie.
- Wir durchleuchten und hinterfragen eingespielte Prozessabläufe in internen Audits und ändern sie bei Bedarf.
- Wir nehmen Verbesserungsvorschläge unserer Mitarbeitenden ernst und versuchen, sie unkompliziert und zeitnah umzusetzen.
Dadurch entstehen schlanke standardisierte Prozesse, die sich in der täglichen Arbeit bewähren.
André Müller, vielen Dank für dieses Gespräch.
Doris Durrer, Fachspezialistin Unternehmenskommunikation
041 417 05 73, d.durrer@rvk.ch