Rückblick: Fachtagung Spitalzusatzversicherung – Ambulantisierung als Game Changer?
Rund 120 Expertinnen und Experten trafen sich an der RVK-Fachtagung in Luzern, um über die Zukunft der spitalambulanten Mehrleistungen zu diskutieren. Dabei wurde schnell klar: Die Ambulantisierung verändert das Gesundheitswesen grundlegend – und eröffnet neue Möglichkeiten für die Spitalzusatzversicherung.
Immer mehr Behandlungen finden ambulant statt, während stationäre Aufenthalte an Bedeutung verlieren. Was bedeutet das für die Zusatzversicherung? Und vor allem: Wo liegt der Mehrwert, wenn das klassische Verkaufsargument «Privatzimmer im Spital» zunehmend an Bedeutung verliert?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Fachtagung aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein zentraler Gedanke zog sich dabei durch die Referate: Der Mehrwert einer Zusatzversicherung muss künftig stärker über den gesamten Patientenpfad hinweg sichtbar werden. Prävention, schneller Zugang zu medizinischen Leistungen, persönliche Betreuung, Koordination und Recovery könnten ebenso wichtig werden wie die klassische stationäre Leistung.
Mehr als nur ambulant statt stationär
Die Entwicklung bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Neue ambulante Angebote müssen einen klaren Mehrwert bieten und sich von den Leistungen der Grundversicherung unterscheiden. Denn die Regulierung setzt enge Leitplanken. Die FINMA betonte deshalb die Bedeutung klarer Leistungsversprechen, transparenter Bedingungen und einer eindeutigen Abgrenzung zur OKP.
Auch die Leistungserbringer stehen vor grossen Veränderungen. Ambulante Strukturen funktionieren nicht einfach nach den Regeln des stationären Betriebs. Neue Prozesse, Infrastruktur und digitale Lösungen müssen aufgebaut und finanziert werden. Dafür braucht es langfristige und verlässliche Partnerschaften zwischen Versicherern und Leistungserbringern.
Gemeinsam statt nebeneinander
Besonders deutlich wurde an der Tagung, dass Innovation nicht im Alleingang entstehen kann. Versicherer, Spitäler und weitere Akteure müssen enger zusammenarbeiten, gemeinsam neue Modelle entwickeln und dabei immer den konkreten Nutzen für die Patientinnen und Patienten im Blick behalten.
Die Diskussionen haben gezeigt: Die Ambulantisierung ist nicht nur eine Herausforderung, sondern bietet auch die Chance, die Zusatzversicherung neu zu denken. Gefragt sind verständliche Produkte, echte Mehrleistungen und Lösungen, die Menschen entlang ihres gesamten Gesundheitspfads unterstützen.
Die Botschaft zum Schluss war entsprechend klar: Die Zeit ist reif, neue Wege zu gehen – und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
Marco Fäh, Leiter Bildung & Events
041 417 05 62, m.faeh@rvk.ch